String Quartet No. 11 'Nox: Tenebrae Lucis'
(2026)Sikorski
„Gib der Dunkelheit nicht die Schuld an den Schatten. Sie werden durch das Licht verursacht.“
– Aus “Excess of Being” von Lera Auerbach
Streichquartett Nr. 11
Nox: Tenebrae Lucis
„‘Nox: Tenebrae Lucis (‘Nacht: Dunkelheit des Lichts‘) ist das zweite Werk in einem Zyklus von vier Streichquartetten, die ich zu vollenden hoffe.
Der zyklische Durchlauf von Abend, Nacht, Morgendämmerung und Tag ist seit jeher mit tiefer Symbolik verbunden. Er spiegelt die Vergänglichkeit des Lebens wider sowie das Wechselspiel zwischen Anfang und Ende, dem Bekannten und dem Unbekannten.
Die Dunkelheit – gefürchtet und verehrt zugleich – verkörpert das Unsichtbare, das Unerforschte und das Verborgene, sowohl in der äußeren Welt als auch in den inneren Gefilden der menschlichen Psyche. Dieses abstrakte musikalische Werk ist womöglich ein Spiegelbild meiner selbst – eine Auseinandersetzung mit der Dualität der Nacht: Sie verbirgt und offenbart zugleich. Im Geheimnis von Schlaf und Traum kann das, was im Wachleben unsichtbar bleibt, eine eigene Präsenz gewinnen.
Die Nacht nicht als Leere des Fehlens, sondern als ein Raum voller Offenbarungen und betörender Schönheit.
Die Dualität von Licht und Dunkelheit sowie ihre symbiotische Beziehung schwingen in unserem kollektiven Bewusstsein und Unbewussten mit. Das mystische Wechselspiel zwischen Sichtbarkeit und Verborgenheit, Präsenz und Absenz, Offenbarung und Verhüllung. Dunkelheit nicht als Abwesenheit von Licht, sondern als dessen Leinwand.
„Ich träume, zerlege diesen Traum dann in Klänge, übersetze die Klänge in Symbole, die den Traum wiederauferstehen lassen können. An das Papier gebunden, ist er nur ein Schatten seiner selbst – doch nur im Blick auf Schatten werden wir nicht vom Licht geblendet.“
– Aus Excess of Being von Lera Auerbach