Detlev Glanert: Doppelkonzert für Midori und Renaud Capuçon
Ein neues Werk von Detlev Glanert verbindet den Komponisten erneut mit einem langjährigen Weggefährten: Semyon Bychkov dirigiert in Leipzig die Uraufführung des Konzerts für zwei Violinen und Orchester, die Solopartien spielen Midori und Renaud Capuçon. Für den Komponisten beginnt im September auch eine Spielzeit-Residenz beim Philharmonischen Orchester Hagen.
Für Midori schuf Detlev Glanert, nach seinem Violinkonzert Nr. 2 (An die Unsterbliche Geliebte) – von der Virtuosin seit der Uraufführung 2021 ein gutes Dutzend Mal in Großbritannien, Deutschland, der Türkei und Japan gespielt – nun ein neues Werk: Das Konzert für zwei Violinen und Orchester wurde komponiert als Auftragswerk des Gewandhausorchesters, des Bruckner-Orchesters Linz sowie der New World Symphony (Miami Beach) und erklingt erstmals am 24. und 25. September in Leipzig; den zweiten Solopart an der Seite von Midori interpretiert Renaud Capuçon, die musikalische Leitung liegt in den Händen des Glanert-Kenners Semyon Bychkov.
Ließ das Vorgängerwerk, anlässlich von Beethovens 250. Geburtstag, schon im Titel seine Programmatik erkennen, gibt sich das neue Konzert rätselhafter: Die drei Satzüberschriften „Orakel“, „Sphinx“ und „Chimäre“ scheinen sich auf antike Motive zu beziehen, bleiben aber in ihrer Bedeutung assoziativ. Glanert verriet im Vorfeld der Leipziger Premiere nur, das Doppelkonzert könne „auch als surrealistisches Concerto grosso bezeichnet werden.“ Tatsächlich sind die beiden Soloviolinparts so untrennbar miteinander verwoben, dass sie fast als Concertino, als kleines Ensemble zweier konzertierender Gruppen eines Concerto grosso betrachtet werden können. Grundelemente wie ein Quart-Auftakt und ein chromatisches Vierton-Motiv, markante Rhythmik sowie ein farben- und nuancenreich schillernder Orchestersatz prägen alle drei Sätze. Tempo und Dynamik sind in ständigem Wandel; oft lagern verschiedene Bewegungsmuster übereinander. Die Harmonik ist der Melodik aufs Engste verbunden: Klänge entfalten sich ins Nacheinander melodischer Linien, und Themengestalten kondensieren zu Akkorden, und häufig erklingen Tongruppen als Linie und Akkord zugleich. Rasende Virtuosität bricht sich Bahn, die Violinen folgen einander im Windschatten, vereinen sich volltönend und liefern sich Wettläufe in halsbrecherischem Passagenwerk.
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Die österreichische Erstaufführung des Konzerts für zwei Violinen und Orchester folgt im März 2027 in Linz unter Jonathan Nott.
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Die ganze Saison hindurch ist Detlev Glanert beim Philharmonischen Orchester Hagen musikalisch präsent: mit einer Komponisten-Residenz, die am 22. September mit der von Sebastian Lang-Lessing dirigierten Erstaufführung von Glanerts um einen Menuettsatz erweiterter Sinfonia beginnt – in kürzerer Version war diese Haydn-Hommage Ende 2025 beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter Omer Meir Wellber erstmals zu hören. Neben weiteren Werken Glanerts steht 2026/27 in Hagen, verteilt über mehrere Konzerte, seine neue Orchesterfassung von Fanny Hensels original für Klavier komponierten zwölf Charakterstücken Das Jahr auf dem Programm. Den Zyklus instrumentierte Glanert im gemeinsamen Auftrag des Mozarteumorchesters, des Scottish Chamber Orchestra und der Dresdner Philharmonie; alle drei Klangkörper sowie das Musikkollegium Winterthur präsentieren das Werk im Lauf der Spielzeit – die erste Aufführung findet am 15. Oktober in Salzburg unter der musikalischen Leitung von Roberto González-Monjas statt.
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Foto: Detlev Glanert (© Nancy Jesse)