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In seiner „reflexiven Szene“ mit dem Titel Je suis l’idée maîtresse bewegt sich Manfred Trojahn erneut auf den Höhen französischer Geistesgeschichte. Das neue Werk für Mezzosopran und Orchester basiert auf einem Gedicht von Paul Valéry und thematisiert die künstlerische Kreativität. Gaëlle Arquez und das Orchestre Philharmonique Royal de Liège unter Lionel Bringuier präsentieren erste Aufführungen in Liège und Köln.

„ALLONS ! Debout ! Surgis ! Écoute … Éveille-toi, brise tes chaînes, sois. (NUN! Steh auf. Erhebe dich. Höre … Erwache, zerbrich deine Ketten und sei.)“ – so hebt er an, Paul Valérys Chant de l’idée maîtresse. Das dreiteilige Poem aus dem Jahr 1915, dessen Titel sich ungefähr mit „Gesang der Herrscherin Idee“ übersetzen lässt, feiert das intellektuelle Tätigsein, die Morgendämmerung der Kreativität. Dazu lässt der „intellektuelle Nationalheld Frankreichs“, wie der Dichter mitunter bezeichnet wird, den schöpferischen Einfall selbst das Wort ergreifen.

Manfred Trojahn fasst Valérys Text, den er nun in ein rund 25-minütiges Orchesterlied verwandelte, wie folgt zusammen: „Die personifizierte Idee – vielleicht ja die vielbesungene, traditionell immer küssende Muse – fordert den untätigen, ideenlosen Menschen, dem sie sich selbst bestimmt hat, heraus, mit ihrer Hilfe tätig zu werden und das zu vollbringen, von dem er nicht einmal träumte … Sie scheint über ihre Wahl zuweilen selbst erstaunt, denn zu wenig tauglich sind Gesundheit und Nerven des Auserwählten. Aber sie ist sich sicher, dass eben diese Unzulänglichkeiten es sind, die ihrer Mission dienen.“ Am Schluss werden Idee und Mensch zur liebenden Einheit: „Jetzt gehören wir zueinander, wir verschmelzen … Du bist mein Von-mir-Besessener.“

Trojahns Je suis l’idée maîtresse ist ein Schwesterwerk zu Ein Brief, 2019 vollendet und gleichfalls als „reflexive Szene“ bezeichnet – darin vertonte der Komponist Hugo von Hofmannsthals Chandos-Brief. Hofmannsthals berühmter, 1902 verfasster Text spiegelt das Unvermögen sprachlicher Erkenntnis und eine intellektuelle Krise im Augenblick epochaler Veränderungen wider – also eine zu Valérys Gedicht antagonistische kreative Erfahrung und Haltung. Beiden gemein ist eine gewisse Dramatik in Stimmung und Wortwahl. In Bezug auf seine beiden Vertonungen spricht Manfred Trojahn dementsprechend von Versuchen eines quasi geistigen, „imaginierten Theaters, bei dem eine szenische Realisierung denkbar, aber durchaus nicht zwingend ist“.

Die ersten Aufführungen von Je suis l’idée maîtresse finden bei den beiden auftraggebenden Institutionen statt, der Kölner Philharmonie (KölnMusik) und dem Orchestre Philharmonique Royal de Liège:

Manfred Trojahn:
Je suis l’idée maîtresse
Scène reflexive pour mezzosoprano et orchestre (2026) 25 Min.
Text: Paul Valéry (frz.)
Uraufführung: 18.04.2026 Salle Philharmonique, Liège
DEA: 19.04.2026 Philharmonie, Köln
Gaëlle Arquez, Mezzosopran / Orchestre Philharmonique Royal de Liège / Lionel Bringuier
> Orchestre Philharmonique Royal de Liège
> Kölner Philharmonie

Manfred Trojahn, dessen Kompositionen seit 2019 im Verlag von Boosey & Hawkes erscheinen, war zuletzt unter anderem mit zwei weiteren musiktheatralen Werken präsent, die um das Verhältnis von Realität und Imagination und den mystischen Urgrund menschlichen Seins und Denkens kreisen: mit Septembersonate nach einer Vorlage von Henry James, uraufgeführt Ende 2023 an der Deutschen Oper am Rhein, sowie Eurydice – Die Liebenden, blind, eine moderne Anverwandlung des Orpheus-Stoffes. Letzteres Werk kam Anfang 2022 an der Niederländischen Nationaloper heraus und erlebte im Oktober 2025 seine österreichische Erstaufführung an der Neuen Oper Wien; in der Spielzeit 2026/27 steht die Deutschlandpremiere in neuer Produktion bevor.
 

Foto: Manfred Trojahn (© Marco Borggreve)

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