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Scoring

2(II=picc).2.2(II=bcl).2(II=dbn)-2.2.1.1-timp.perc(3):4wdbl/4bongos/4tom-t/5susp.cym/BD/2tam-t(med,lo)/t.bells/vib/cowbells-harp-pft-strings(not too many)

Abbreviations (PDF)

Publisher

B&B

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes in der ganzen Welt.

Availability

Uraufführung
9/11/1993
Schauspielhaus, Großer Konzertsaal, Berlin
Kolja Blacher, violin / Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Hanns-Martin Schneidt
Composer's Notes

Der Titel Musik der Frühe assoziiert zunächst eine atmosphärische Stimmung. Darüber hinaus werden Empfindungen aufgerufen, die der Mensch beim Erwachen und stufenweisen Ergreifen der Welt erlebt. Erfahrungen in Verbindung mit der sich entfaltenden Natur. Dieses geheimnisvolle Wechselspiel findet seinen höchst bildhaften Ausdruck in den Worten "Tönend wird für Geistesohren/Schon der neue Tag geboren...." Faust II. Teil. Erste Szene, denen sich die Überschriften der vier Sätze der Komposition annähern: Auffinden – Erwachen der Bilder – Lichtblendung – Abglanz. Wechselnde thematische Bezüge verbinden diese Sätze, die jedoch in eigener Architektur erscheinen, zu einheitlicher Gestalt.
Im Stufengang der einleitenden Takte des ersten Satzes b – h - c – des – es – a stellt sich das grundlegende Material des Werkes dar. Es handelt sich gleichsam um ein "Entfaltungsthema" im Charakter einer sich öffnenden Geste. Hieraus entwickelt sich in Metamorphosen ein immer freieres melodisches Geschehen, das von Solo-Violine und Orchester gleicherweise getragen wird. Architektonisch nähert sich dieser Satz der sinfonischen Form an: Introduktion – Aufzeigen der Grundgedanken, Entfaltung, verkürzte Reprise als klangliche Kulmination, Rückführung durch die Solo-Violine und Coda.
Über zwischen Blech- und Holzblasinstrumenten wechselnden Klängen bestimmt das zartschwebende Linienspiel der Solo-Violine den Beginn des zweiten Satzes. Der solistische Einsatz der Harfe, verbunden mit dem Pizzicato der Streicher, markiert ein kurzes Intermezzo, dessen Motivik im letzten Satz seine Fortführung findet. Der äußerst bewegte Einsatz der Streicher unter den schwirrenden Oktav-Figuren des Solisten realisiert den Mittelpunkt dieses zweiten Teiles der Komposition, der nach erneutem Aufgreifen der verwandelten Bläserakkorde, dem melodischen Linienspiel der Solo-Violine, nach und nach in die Ruhe des Anfangs zurückkehrt.
Virtuose Kulmination des Solo-Konzertes ist der dritte Satz. Alles Figurenwerk empfängt seine Impulse durch das nicht abreißende Motivspiel des Schlagwerks. Sind es zunächst die tiefen Streicher, die der Solo-Violine assistieren, fügen sich mehr und mehr Klavier, Harfe und Bläser in das Klanggeschehen, aus dessen Verdichtung die Solo-Kadenz unmittelbar herauswächst. Nach kurzer lyrischer Rückleitung werden die rhythmischen Momente im letzten Abschnitt dieses, den Spieler in seiner Virtuosität voll herausfordernden Satzes, wieder aufgegriffen.

Der ruhige Klangstrom einer in sieben Varianten ablaufenden metrischen Passacaglia – basierend auf einem Modell unregelmäßiger Taktgruppen – bestimmt den äußerst stillen letzten Teil. Nur in Momenten wird zunächst die Solo-Violine integriert, um nach und nach in sich steigernder Verdichtung in zarten Doppelgriffen den Orchester-Klang zu überhöhen. Wie für sich selbst musizierend, singt das solistische Instrument über fernen Glocken seine abschließenden melodischen Gestalten.


Frank Michael Beyer
im Programmheft der Uraufführung am 11.09.1993

Press Quotes

„Frank Michael Beyer hat ein Violinkonzert geschrieben. Das ist immerhin ein Ereignis... Das Konzert ist dankbar, nicht nur in seinen Kadenzen. Es leugnet nicht die kammermusikalische Intimität oder das grüblerische Element früherer Arbeiten. Aber es hat die Geste breiter Mitteilsamkeit – auch wenn die Mitteilung vorwiegend lyrischer Natur ist." (Hans-Jörg von Jena, Die Welt, 13.09.1993)

„Alles ist warmherzig empfunden und abwechslungsreich koloriert, mit viel Kombinationsgabe erfunden und bearbeitet, gleichsam musikalisches Filigran, dessen aparte Farbigkeit sowie feine Machart beträchtliche Faszinationskraft ausstrahlen." (Wolfgang Schultze, Berliner Morgenpost, 13.09.1993)

„Lange Haltetöne führen wie Stege durch die Zeit, die Solo-Violine hängt sich daran. Aus ihren Gesängen werden in den Streichern Klangwolken, die sich elementar entladen, bis wieder nur Reste bleiben, die wie Schlieren in der Atmosphäre spielen. Das Melos streckt die Finger aus, greift Akkorde, prallt an perkussiven Rhythmen ab und zieht sich in ferne Klänge zurück. Was für ein Musik! Frank Michael Beyers Violinkonzert Musik der Frühe ist eine Partitur, deren Reiz sich in Gegensätzen darstellt. Sie ist ein in sich schlüssig entfaltetes Klanggeschehen, dabei aber offen für bildhafte Assoziationen... Dieser Partitur eignet ein Gestus improvisatorischer Freiheit und melodisch ungebundenen Fließens, der formal straff gegriffen ist und dessen Ausgangsmaterial immer wieder in der Solo-Trompete als festes Klangsymbol aufklingt. Und schließlich ist die Partitur von einer Einfachheit, die die Komplexität früherer Jahre in ihr Innerstes aufgenommen hat: Komplex ist nicht mehr die Oberfläche, sondern das, was sich darunter tut." (Peter Uehling, Berliner Zeitung, 15.03.2004)

Recommended Recording
cd_cover

Kolja Blacher / Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Michail Jurowski
edel CLASSICS 0085222ACA

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