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Scoring

3(III=picc).3(III=corA).3(III=bcl).2.dbn-4.3.3.1-perc(3):timp/2BD/SD/tam-t/cym(sm,lg)/susp.cym/glsp/crot/tgl/hammer/t.bells/anvil/xyl/wind machine-harp-gtr-vla da gamba-strings(12.12.10.8.6)

Abbreviations (PDF)

Publisher

B&B

Territory
This work is available from Boosey & Hawkes in der ganzen Welt.

World Premiere
11/27/1985
Philharmonie, Berlin
Berliner Philharmonisches Orchester / Reinhard Peters
Programme Note

Das Stück entstand vom Mai bis zum September 1984. Die Orchesterbesetzung war von vornherein den Ausschreibungsbedingungen des von der GEMA veranstalteten Forums angepaßt, der Plan zu diesem Stück allerdings erheblich älter. Das Berliner Philharmonische Orchester entschied sich für die Uraufführung.

"Wieso Sinfonie?" Ausgangspunkt für die Komposition war die Faszination für "typisch sinfonisch" geltende Gestalten und Zustände. Ein Auftakt, ein Höhepunkt, eine Erinnerung, bestimmte Figuren – all das, was man bei dem Wort Sinfonie sofort assoziiert, fand als Grundmaterial Eingang in die Komposition. Also keine Sinfonie an sich, sondern ein Orchesterstück über Sinfonien, genannt: Sinfonie.

Der eine Satz läßt noch ganz verwischt die alte, dreiteilige Sinfonieform ahnen; der Schluß bildet im Gegensatz zur Sonatenhauptsatzform eine immer stärker werdende Polarisierung aus: Ergebnis ist die Existenz zweier Schlüsse, die unmittelbar hintereinander gespielt werden. Dieses Auseinanderbrechen der Musik öffnet das Stück nach vorne: ins Nichts.
Am Anfang und am Ende stehen die Geräusche einer Windmaschine, am Ende tauchen dazu noch eine Viola da gamba und eine Gitarre auf: die historischen Elemente vermischen sich und werden unkenntlich.

Im Mittelpunkt des Satzes steht eine Musik für Solo-Celli und Solo-Bratschen und in dieser Musik wiederum als Mittelpunkt ein kleines Zitat von Mahler: nicht nur eine Verbeugung an den Sinfoniker, sondern auch Konsequenz und Ursache für das Vorhergehende und das Kommende.
Thomas Tangler

Der Titel Sinfonie meint bei diesem Werk, das 1985 im Rahmen des „Forums junger deutscher Komponisten für Orchestermusik“ in Berlin uraufgeführt wurde, weniger die Form im klassischen Sinn als vielmehr den Gestus des Sinfonischen, der hier fragmentiert und in vielfacher Brechung erscheint. Der Komponist selbst spricht bei diesem Werk von einem Orchesterstück über Sinfonien.

Zur traditionellen Gestaltung verhält sich das Werk in gewisser Weise wie ein Negativbild, indem die gegensätzlichen Charaktere sich hier immer stärker polarisieren anstatt vermittelt zu werden, und am Schluß vollkommen auseinandertreten anstatt eine Synthese einzugehen. Dennoch verhindert der formale und strukturelle Rahmen – oder besser: Die Dramaturgie – des Werks, daß dieser Auflösungsprozeß als reine Destruktion empfunden wird. Die Idee des Sinfonischen wird noch in der Negation gewahrt.

Es gibt mehrere Ebenen in dieser Sinfonie, deren strukturelle Keimzelle ein 5-töniger, um einen Zentralton gelagerter Komplex ist. Er bildet das energetische Modell einer fünfgliedrigen Form, bei der zwei Entwicklungsabschnitte in drei statische Teile eingebettet sind. Dieser Anlage ist jedoch eine klare Dreiteiligkeit überlagert, die sich an der alten sinfonischen Satzfolge orientiert: Ein erster Abschnitt öffnet einen weiteren Tonraum, der von schemenhaften Gestalten durchzuckt wird und schließlich in den Sog einer insistierenden signalartigen Klarinettenfigur gerät; der ruhige Mittelteil – von den solistisch geteilten tiefen Streichern gespielt, denen sich zuweilen eine zarte Piccolo-Girlande zugesellt – beruht auf einer stockenden Walzerbewegung, die in ein kurzes Zitat aus Mahlers „Lied von der Erde“ übergeht; der stürmische dritte Abschnitt, in dem Fragmente der vorausgegangenen Teile erscheinen, kulminiert in einem dichten Fugato und führt zu einer charakterartigen Verbreiterung des Themas, das in das schmerzhafte Hämmern des Schlusses mündet.

Doch schon die Windmaschine in der Einleitung signalisiert, daß dieses Spiel einen doppelten Boden hat. Immer wieder brechen Lücken in der sinfonischen Architektonik auf und lassen tiefer liegende musikalische Schichten ahnen. Dies gilt für die merkwürdig ungeformten vierteltönigen Streicherduette, die die einzelnen Abschnitte verbinden und wie Fetzen einer längst verklungenen Musik wirken, aber noch mehr für den Schluß des Werkes bzw. dessen beide Schlüsse. Nach dem katastrophischen Höhepunkt, dessen Stampfen immer mehr aus dem Tritt gerät, folgt unmittelbar ein irreal anmutender Epilog von Gitarre und Gambe, deren melodische Fragmente von Windmaschine und dem allmählich heruntergestimmten tiefen E des Kontrabasses noch weiter aufgelöst werden. Die Sinfonie hat den Schauplatz verlassen.
Klaus Angermann

Press Quotes

"Die erste Sinfonie von Detlev Glanert entzieht sich der Beschreibung dadurch, daß sie sich den Klischees entzieht, die man lernen und übernehmen kann und die eben auch der Rezensent zu benennen gelernt hat. Hier ist ein neues espressivo unterwegs von außerordentlicher Kraft und ohne Zucker... Einem 25jährigen gelingt ein einsätziges Werk von bohrender, suggestiver Kraft, wobei die Erfindung neuer sprachlicher Mittel beeindruckt. Was kommt leuchtet ein, aber man hat’s nie vorausgewußt. Man spürt Sprache, aber man muß sie erst lernen wie schon immer. Man sollte also wiederhören. Und das sollte sich doch arrangieren lassen." (Diether de la Motte, Musica 1/1986)


Recommended Recording
cd_cover

BBC Scottish Symphony Orchestra / Markus Stenz
WER 6522-2


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