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Bote & Bock
1953 besuchte Ingeborg Bachmann die Insel Ischia. Es war für sie weniger ein Besuch als ein Heimkommen, da sie Italien als ihr „erstgeborenes Land“ angesehen hat.
Die Lieder von einer Insel sind Gedichte, die sich mit der Atmosphäre dort beschäftigen und ihr eine sehr eigene, gleichsam biografische Poesie ablauschen. Sie sind immer wieder mit Musik versehen worden, Hans Werner Henze schrieb ein Werk für Chor und Instrumente zu den Texten.
Mein einziger Aufenthalt auf der Insel, ich war im Rahmen eines kürzeren Aufenthaltes in der Villa Massimo, Rom 1977 auf Ischia, war sehr geprägt von den Zeugnissen Bachmanns und Henzes über ihre frühe Zeit in Italien.
Der Ort ist ein Sehnsuchtsort geblieben, die Frage ist indes, ob die Erinnerung nicht der einzige Bereich ist, an dem sich das noch finden ließe, das einmal eine Realität gewesen ist.
Ich habe mich mit den Gedichten, die im Umkreis der Aufenthalte Bachmanns in Rom, Neapel und eben Ischia entstanden sind, immer wieder beschäftigt. Nach der Komposition Lieder auf der Flucht von 1988/89 schrieb ich Enigmen im vergangenen Jahr und nun die Insellieder für die Liederwerkstatt Bad Kissingen.
Manfred Trojahn, Juni 2026