Herz, Maria - Selected Piano Works
Maria Herz – erst seit wenigen Jahren beginnt sich dieser Name in der Musikwelt herumzusprechen, so gründlich war ihr Schaffen durch ein mehrfaches, kompliziertes Exilschicksal in Vergessenheit geraten. 1878 in Köln geboren und dort als Kind einer bedeutenden jüdischen Textilhändlerfamilie aufgewachsen, gehörte sie zu den wenigen Komponistinnen, denen es gelang, sich einen Platz in der Männerdomäne der Neuen Musikszene in Deutschland zu erkämpfen. Anfang des 20. Jahrhunderts war sie ihrem Mann, Albert Herz, nach England gefolgt, um dem antisemitischen Klima in Deutschland zu entgehen. Im August 1914 verhinderte der Ausbruch des 1. Weltkriegs ihre Rückkehr nach England im Anschluss an einen Familienbesuch in Köln. Sie begann eine zweite Karriere als Komponistin nach weiteren Studien bei Hermann Hans Wetzler und Philipp Jarnach. Ende der 1920er Jahre trat sie mit erfolgreichen Aufführungen von Orchesterwerken und Liedern in die Öffentlichkeit – doch die Zeit bis zu ihrem erzwungenen zweiten englischen Exil nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 reichte nicht aus, um sich international zu etablieren. Sie verstummte als Komponistin und starb 1950 in New York, ihrer dritten und letzten Exil-Station. Die Erstausgabe ihrer Werke bei Boosey & Hawkes entsteht in Kooperation mit den Nachkommen der Komponistin und der Zentralbibliothek in Zürich, wo ihr Nachlass aufbewahrt ist.
Maria Herz’ Klavierwerke erscheinen in zwei Bänden. Der vorliegende zweite versammelt alle in ihrer ersten Zeit in England Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Kompositionen für „ihr“ Instrument, das sie bei keinem geringeren als dem Klaviervirtuosen Max von Pauer in Köln vor der Jahrhundertwende studiert hatte. Die Fugen und Préludes sind vermutlich Übungsstücke im Zusammenhang mit ihrem Kompositionsstudium bei Edmund Grimshaw in Leeds, die zauberhaften „12 (Valses) Ländler“ dürften für ein Klavierrecital der Komponisten am 12. Dezember 1911 im Arts Club von Bradford entstanden sein, einer Stadt im Norden Englands unweit von Leeds, wo sich die junge Familie niedergelassen hatte, und auch wenn sich für das pianistisch gewichtigste Werk der Sammlung, die Variations on Chopin’s C Minor Prélude Op. 28 No 20, bisher weder ein Kompositionsjahr noch Spuren von Aufführungen zu Lebzeiten der Komponistin finden lassen, so legen ihr Stil wie auch der englische Titel die Entstehung vor der unfreiwilligen Rückkehr der Familie Herz nach Köln 1914 nahe.